Vorbereitende Untersuchungen

Die rechtlichen Grundlagen f√ľr die Ausweisung von Sanierungsgebieten werden in Deutschland durch das Baugesetzbuch (BauGB) geregelt.¬†Das zweite Kapitel des BauGB, das besondere St√§dtebaurecht, regelt die Verfahren und Instrumente, die mit der Festsetzung eines Sanierungsgebiets verbunden sind. Hier wird auch die Unterscheidung zwischen der ‚ÄěVorbereitung‚Äú und der ‚ÄěDurchf√ľhrung‚Äú von st√§dtebaulichen Sanierungsma√ünahmen getroffen. Um ein Sanierungsgebiet ausweisen zu k√∂nnen, muss die Gemeinde zun√§chst einen Untersuchungsraum definieren und Vorbereitenden Untersuchungen durchf√ľhren.

 
Die Vorbereitenden Untersuchungen dienen der Beurteilung der Notwendigkeit von st√§dtebaulichen Sanierungsma√ünahmen. Ma√ügeblich ist es, einen √úberblick √ľber die strukturellen und st√§dtebaulichen, aber auch sozialen Verh√§ltnisse und Zusammenh√§nge zu erhalten und anzustrebende Ziele zu entwickeln. Analysiert werden in der Regel die historische Entwicklung, die Stadtgestalt und Baustruktur, die Verkehrssituation, Nutzungen und Funktionen im Untersuchungsgebiet, die vorgefundene Bausubstanz, die Gr√ľn- und Freifl√§chen, die technische Infrastruktur sowie die Parzellenstruktur und jeweiligen Besitzverh√§ltnisse. Der Ergebnisbericht beinhaltet neben der Analyse Aussagen zu st√§dtebaulichen Missst√§nden, Ma√ünahmenempfehlungen zur Behebung der ermittelten Missst√§nde, einen Vorschlag zur Gebietsabgrenzung und Aussagen zur geplanten Finanzierung. Dar√ľber hinaus ist die Durchf√ľhrbarkeit der Gesamtma√ünahme zu untersuchen.

In Cottbus umfasste das Untersuchungsgebiet eine Fläche von 250 Hektar (etwa 350 Fußballfelder), welche in folgende Untersuchungsbereiche untergliedert wurde:

  • Gebiet Stadtmitte und Gebiet Ost, Spreeufer
  • Gebiet West, Karl-Liebknecht-Stra√üe
  • Gebiet S√ľd, Ostrow ‚Äď Taubenstra√üe
  • Gebiet Nord, Friedrich-Ebert-Stra√üe

Die nachstehende Karte zeigt die vier Untersuchungsbereiche √ľber der Fl√§che des f√∂rmlich festgesetzten Sanierungsgebiets.

Die in der Karte eingezeichnete Kulisse kann in Details vom förmlich festgesetzten Satzungsgebiet abweichen.
Die in der Karte eingezeichnete Kulisse kann in Details vom förmlich festgesetzten Satzungsgebiet abweichen.
  • F√ľr die Aufnahme der vielf√§ltigen Funktionen eines Oberzentrums ist die jetzige Zentrumsfl√§che zu klein.
  • Es sind erhebliche Fl√§chenareale mit ungen√ľgender Zentrumsnutzung vorhanden (neues Zentrum).
  • Als Nutzungskonflikt ist festzuhalten: st√∂rendes Gewerbe, brachgefallenes Gewerbegel√§nde und der beginnende Einzug von neuen st√∂renden Nutzungen in die Gewerbebrache. (z.B. Gebiet Ost, M√ľhleninsel und Gebiet West)
  • Beginnende Verdr√§ngung der Wohnnutzung durch Dienstleistungsfunktionen. (Gebiet West und S√ľd)
  • Es fehlen r√§umliche, funktionale und gestalterische Verkn√ľpfungen des Stadtzentrums mit den umliegenden Quartieren. (Gebiet West, S√ľd, Nord)
  • Die Auspr√§gung des in Ans√§tzen vorhandenen Gr√ľng√ľrtels um die Altstadt ist ungen√ľgend und es fehlt eine Verkn√ľpfung mit der Spree. (zw. Bebelstra√üe und Karl-Liebknecht-Stra√üe; Th√§lmannplatz [Anm. heute Brandenburger Platz]; M√ľhleninsel)
  • Eine Aufl√∂sung der historisch gewachsenen Baubl√∂cke und fehlender Raumkanten sind festzustellen. (haupts√§chlich Stadtzentrum)
  • In den neuen Wohnquartieren in der Altstadt und im neuen Zentrum ist eine fehlende Trennung des √∂ffentlichen und privaten Raumes festzustellen. (z.B. Klosterstra√üe)
  • Im √∂ffentlichen Raum (Erschlie√üung) sind Gestaltungsdefizite festzustellen.
  • Es liegen erhebliche Wohnumfeldm√§ngel (versiegelte Hoffl√§chen, fehlendes √∂ffentliches und privates Gr√ľn, leerstehende und/oder abbruchreife sowie teil- und fehlgenutzte Nebengeb√§ude, Belastung der H√∂fe durch Kundenverkehr des Einzelhandels und der Dienstleistungsfunktionen, fehlende Spielm√∂glichkeiten) in den alten und neuen Wohnbereichen vor. (besonders in den klassischen Gr√ľnderzeitquartieren)
  • M√§ngel in der baulichen Beschaffenheit von Geb√§uden mit Schwerpunkt im Bereich der denkmalgesch√ľtzten Geb√§ude, die mit erheblichen Wohnungsleerst√§nden einhergehen. (besonders Gebiet Nord)
  • M√§ngel in der Wohnungsausstattung (Einzel√∂fen, mangelnde Sanit√§r- und Elektroausstattung, Grundrisse). (besonders Gebiet Nord)
  • Im √∂ffentlichen und privaten Raum ist ein hoher Fehlbedarf an Stellpl√§tzen vorhanden.
  • Ein hohes Verkehrsaufkommen (z.B. Bahnhofstra√üe, Karl-Liebknecht-Stra√üe) und parkende Fahrzeuge beeintr√§chtigen die Attraktivit√§t und Aufenthaltsqualit√§t der Stra√üen.
  • Wegen fehlender bodenordnerischer Ma√ünahmen liegen eine hohe Anzahl ungeordneter st√§dtebaulicher Bereiche vor.
  • Ungekl√§rte Eigentumsverh√§ltnisse als Hemmnis f√ľr Ordnungs- und Bauma√ünahmen. (z.B. Neustadt, Stadtmitte)

Ausgehend von den Ergebnissen der Bestandsanalyse in Verbindung mit den √ľbergeordneten Zielen der Landes- und Regionalplanung, den Gesamtplanungen der Stadt Cottbus, den Zielvorstellungen der Tr√§ger √∂ffentlicher Belange und den Anregungen aus den B√ľrgerversammlungen wurden f√ľr das Sanierungsgebiet ‚ÄěModellstadt Cottbus ‚Äď Innenstadt‚Äú¬†Sanierungsziele¬†formuliert. Den Sanierungszielen entsprechend wurde parallel der¬†Rahmenplan¬†erstellt.